Interview mit Christoph von Linux und Ich

Wer im Internet nach Beiträge und Blogs die sich hauptsächlich mit Linux beschäftigen der wird ziemlich schnell auf den Blog Linux und Ich von Christoph Langner stoßen. Im folgendem Interview habe ich Christoph einige Fragen zu seinem Blog und Linux gestellt. Ich möchte mich vorab bei Christoph für die Beantwortung der Fragen bedanken.

Wie kam es zu Linux und ich?

Die ersten Beiträge auf Linux und Ich entstanden (noch unter einer anderen Domain) im Januar 2006, allerdings hatte ich schon vorher eine paar kleine Linux-Webseiten betrieben. Linux und Ich wollte ich als öffentlichen, digitalen Notizzettel nutzen, auf dem ich meine Erfahrungen rund um Linux und freie Software notiere. Dass das Projekt nicht nur meiner Erinnerung unterstützt, sondern auch anderen dabei hilft mit Linux zurechtzukommen war natürlich ein Bonus bei der Sache und bot mir Motivation immer weiter zu schreiben. Im Endeffekt hat sich daran seit der Anfangszeit nichts geändert. Nach wie vor ist Linux und Ich für mich selber eine tolle Stütze, da ich für mich einmal erarbeitete Informationen schnell wieder nachlesen kann.

Wie kamst du zu Linux?

Mein erster richtiger Kontakt mit Linux kam etwa 1996/1997 zu Stande. Damals habe ich in Karlsruhe studiert und an einem kleinen Institut einen Hiwi-Job gehabt, bei dem ich die Rechner des Instituts administriert habe. Das Studienzentrum für Sehgeschädigte war/ist eine interfakultative Einrichtung, die blinde und sehbehinderte Studierende bei Ihrem Studium mit praktischer Hilfe, Dienstleistungen aber auch Technik unterstützt. Aufgrund der hervorragenden text-basierten Werkzeuge bietet Linux Blinden und Sehbehinderten, die mit einer Braille-Zeile arbeiten, hervorragende Bedingungen. Screenreader, die graphische Inhalte vorlesen, waren und sind auch heute noch dagegen unglaublich teuer.

Auf Servern bin ich daher schon lange an Linux gewöhnt. Auf meinem Desktop hat es jedoch in etwa bis 2004 gedauert, bis ich Windows von meinen persönlichen Rechnern verbannt habe. Mit Ubuntu „Warty Warthog“ 4.10 wurde vieles einfacher, was bei Debian damals noch viel Probleme gemacht hat (Installation proprietärer Treiber und Firmwares für Grafikkarten und WLAN-Chipsätzen). Auch die kurzen Release-Zeiten sorgten dafür, dass sich endlich auch aktuelle Software-Entwicklungen zeitnah haben einsetzen lassen. Ubuntu 5.04 musste man nur noch auf die Festplatte schreiben und konnte praktisch ohne Nacharbeiten direkt loslegen. Nachdem ich dann meine verbleibende, bockige Hardware gegen Linux-willige eingetauscht hatte, bin ich seitdem in der Linux-Welt treu geblieben.

Wie kamst du zum Raspberry Pi?

Als Eben Upton den Raspberry Pi ankündigte, schlug das ja in den internationalen Medien ein wie eine Bombe: Ein vollwertiger Computer für 35 US-Dollar, das musste ja eine geniale Sache werden. Ich hatte mir bei der Veröffentlichung dann recht schnell eine Raspberry Pi Modell B, noch die Version mit 256 MByte, gesichert und wurde nicht enttäuscht. Der RasPi erwies sich als ideale Platform um mal ein paar Dinge auszuprobieren. Nicht weil die Hardware so genial und offen wäre — am Anfang lag ja nicht mal der Grafiktreiber offen — sondern weil sich eine große Community immer wieder für neue Projekte rund um den Raspberry Pi begeistert.

Was hälst du vom Raspberry Pi 2?

Die Raspberry Pi Foundation hat mit dem Raspberry Pi 2 vieles richtig gemacht. Der Quad-Core-Prozessor und der auf 1 GByte erweiterte Arbeitsspeicher machen den RasPi2 nun endlich fit für aufwändigere Projekte wie beispielsweise Mediacenter. Auch als einfacher Desktop macht der RasPi2 gar keine so schlechte Figur. Allerdings fehlen nach wie vor Gigabit-Ethernet und eine schnelle Anbindung von Datenträgern, also entweder SATA oder USB 3.0. Auch teilen sich nach wie vor die vier USB-Ports zusammen mit dem Ethernet-Controller einen internen USB-Bus. Die Datenraten als kleiner File-Server sind daher nicht wirklich berauschend.

Die Foundation hat durch das behutsame Update allerdings erreicht, dass das Rad nicht komplett neu erfunden werden musste. Der Preis ist bei 35 US-Dollar geblieben, die RasPi-Distributionen mussten nur einen neuen Kernel integrieren und Gehäuse und Zubehör wie GPIO-Extension-Boards blieben zum RasPi2 kompatibel. Ich denke, diese Punkte sind es wert, dass wir noch ein wenig auf schnelles Netzwerk und eine bessere Anbindung von externen Datenträgern warten müssen. Wann allerdings ein Raspberry Pi 3 kommt und ob er diese Schwachstellen behebt, das steht allerdings noch in den Sternen.

Was ist deiner Meinung nach die beste Linux-Distribution?

Es gibt keine beste Linux-Distribution. Punkt. Keine Diskussion. Es gibt nur für den jeweiligen Anwendungszweck geeignete und ungeeignete Distribution. Jeder Linuxer hat seine Vorlieben und ist eben in der Welt und Community einer Distribution und deren Derivate eher Zuhause als in der einer anderen. Für mich ist das Debian und Arch und somit auch Ubuntu, Linux Mint, Manjaro oder Antergos. Dies kommt daher, dass ich quasi mit Debian aufgewachsen bin. Ich mag apt, ich finde mich auf Debians (und damit meine ich auch immer die Derivate) sofort heimisch und Ubuntu macht mit seinen kurzen Releasezyklen und der Vielfalt der PPAs die Installation von neuer Software sehr einfach. Ein wichtiger Punkt, wenn man wie ich über Linux viel veröffentlicht.

Andere kommen eher aus der Redhat/Fedora-Ecke oder fühlen sich alleine aus der Tradition mit Suse verbunden — immerhin stammt die Distribution aus Deutschland und hat aufgrund der damals hervorragenden Dokumentation (ich spreche von Mitte der 90er, als das Internet noch nicht so viele Informationen wie heute bot) vielen heutigen Linuxern den Einstieg geebnet. Mit einer Baudrate von 28,8 kbit/s lies sich auch nicht ohne weiteres ein Linux aus dem Netz laden. Daher war man damals noch sehr auf Distributionen wie Suse angewiesen, die man im Paket mit einem Buch im Buchhandel kaufen konnte. Ich hab auch noch die letzten Suse-Packs mit über 70-Disketten mitbekommen — das waren noch gute Zeiten 😉

In der letzten Zeit wagen immer mehr Linux-User den Wechsel zu Arch oder einem Arch-Derivat wie Manjaro oder Antergos. Aufgrund der Rolling-Release-Paketverwaltung bekommt man so praktisch umgehend sämtliche Updates des FOSS-Universums auf dem Rechner eingespielt. Ein kleines Programm gibt Update raus, nach wenigen Stunden ist es in den Arch-Quellen eingepflegt. Majors-Updates großer Brocken wie LibreOffice, brauchen vielleicht mal ein, zwei Wochen. Ein neues Gnome auch mal drei oder vier. Allerdings braucht man sich praktisch nicht mehr mit Versions-Upgrades beschäftigen. Das birgt ein paar Risiken und man muss sich durchaus um sein System kümmern, doch Katastrophen sind mir nun in mehreren Jahren Arch nicht untergekommen — Versions-Upgrades einer mit PPAs verbastelten Ubuntu-Installation machen aus meiner Erfahrung heraus meist mehr Ärger.

Es gibt einige Magazine rund um Linux. Welche findest du empfehlenswert?

Da muss ich natürlich einen Disclaimer vorwegschicken: Ich bin für den Computec-Media-Verlag tätig, der inzwischen die von der MediaLinx (ex. Linux New Media) übernommen Magazine LinuxUser, Linux Magazin, EasyLinux und Raspberry Pi Geek veröffentlicht. Auch Golem ist eine Tochter dieses Verlags. Ich persönlich arbeite an der LinuxUser, der Raspberry Pi Geek und den damit verbundenen Sonderheften wie dem gerade erschienen Geek-Sonderheft zum Raspberry Pi mit Kodi als Mediacenter.

Von daher: Logisch sind LinuxUser und das Linux Magazin die besten Magazine rund um Linux 😉 EasyLinux richtet sich dagegen eher an die Einsteiger, was von diesen in der Regel auch gut angenommen wird. Es gibt ja auch nicht gerade eine große Auswahl an Print-Magazinen zu Linux-Themen. Klar, die c’t, Chip und Co. greifen das Thema Linux immer wieder auf oder veröffentlichen Sonderhefte, aber wir sind die einzigen, die jeden Monat mit reinen Linux-Heften am Markt sind.

Wie kamst du zu Arch Linux?

Dazu haben ich ja schon vorher ein paar Worte verloren. Als Autor bin ich drauf angewiesen aktuelle Software auf meinem Rechner zu haben. Daher nutze ich schon lange auf meinem Produktivsystem Distributionen, die mir aktuelle Software nicht lange vorenthalten. Das heißt also Debian Unstable oder Ubuntu, wobei ich Ubuntu meist mit zig PPAs aufblähen musste. Das geht eine Weile gut, aber spätestens beim Upgrade auf die nächste Ubuntu-Version zeigt sich dann der Nachteil der PPAs: Je mehr Pakete diese bereitstellen und vor allen Dingen ersetzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es beim Upgrade klemmt. So habe ich dann mein System in der Regel lieber gleich neu aufgesetzt.

Kleiner Einschub an Ubuntu-Gegner oder Ubuntu-Fanboys: Wer sein Ubuntu-System frei von PPAs hält oder diese nur behutsam einsetzt, der bekommt in der Regel wenig Ärger bei Updates auf die jeweils nächste Ubuntu-Version. Ich habe Server und auch Desktops über Jahre hinweg von Version zu Version (nicht LTS) aktualisiert und hatte nur selten Nacharbeiten zu erledigen. Bei sorglosem Einsatz von PPAs macht man sich allerdings irgendwann das Leben schwer — bei mir war das allerdings eine Notwenigkeit.

Daher eben Arch: Das System lässt sich komplett an die eigenen Wünsche anpassen. Mein Arch läuft butterweich. Die Software ist immer aktuell. Über das Arch User Repository AUR lassen sich unzählige Anwendungen installieren, die nicht offiziell in den Arch-Paketquellen geführt werden und ich muss mir keine Sorgen über den nächsten Versionssprung der Distribution machen — dafür aber auch die Augen bei konventionellen Updates ein wenig offen haben.

Wie kam es zu tuxsucht.de?

tuxsucht.de habe ich 2009 aus der Wiege gehoben. Zu der Zeit war es wirklich sehr sehr nervig über Suchmaschinen brauchbare Informationen zu Hardware und deren Linux-Tauglichkeit zu bekommen, weil Preisvergleichsseiten und Suchmaschinenspammer gnadenlos die ersten Seiten belegt haben. Mit der Google Custom Searchengine ist es nun sehr einfach möglich die Google-Suche auf eine Auswahl an Domains zu beschränken, sodass die Suchmaschinenspammer außen vor bleiben. Ich würde gerne auf Google verzichten, aber meine Experimente mit Open-Source-Suchmaschinen wie YaCy haben mich bisher noch nicht zufriedengestellt.

Für Tuxsucht habe ich mich damals entschieden nur deutschsprachige Linux-Seiten (Blogs, Foren, Shops, Wikis) aufzunehmen. Das Tür ist für jeden offen, dessen Webseite sich um Linux und freie Software dreht und die nicht erst seit gestern im Netz existiert. Eine Mail reicht, dann trage ich die Seite in den Suchindex ein. Inzwischen hat Google das Problem mithilfe eines besseren Rankings zwar recht gut in den Griff bekommen, aber Tuxsucht wird immer noch ganz gerne benutzt und so viel Aufwand bedeutet es nicht die Seite weiter zu betreiben.

Welche Pläne hast du noch für dieses Jahr?

Große Pläne gibt es eigentlich nicht: Auf Linux und Ich möchte ich eigentlich nur wenig News bringen und wenn, dann nur Nachrichten, die mir wirklich am Herz liegen. Wer reine Linux-News sucht, der ist auf der Linux-Community, bei Pro-Linux, Bitblokes, Golem oder Heise Open besser aufgehoben. Wenn ich über etwas schreibe, dann will ich mich mit dem Thema auch wirklich auseinander gesetzt haben. Von daher gibt es bei mir eher Tutorials oder Dinge, die mich beschäftigen. Aktuell mache ich viele Fotos und arbeite einen für mich optimalen Workflow für das Entwickeln von Aufnahmen aus. Daher wird es in meinen Augen in der Zukunft durchaus einige Beiträge zu Fotographie-Themen geben.

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Steven Seifried

Ich bin Steven, seit Juli 2014 veröffentliche ich auf canox.net die unterschiedlichsten Beiträge zu Linux & Android. Seit September 2015 verwende ich privat ausschließlich Linux (aktuell Ubuntu GNOME 16.04 LTS)

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