Interview mit Cornelius von Schuladmins

Täglich schaue ich im OSBN (Open-Source-Blog-Netzwerk) nach Neuigkeiten aus der Linux-Welt und Beiträgen andere Blogger. Eines der Mitglieder im OSBN ist unteranderem auch Cornelius mit seinem Blog Schuladmins. Im folgendem Interview habe ich Cornelius ein paar Fragen rund um seinen Blog gestellt. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals für die Teilnahme am Interview bedanken.

Wie kam es zu deinem Blog?

Nach einem Schulwechsel wurde ich Systemadmin. Begleitend wollte ich meine frischen Erfahrungen auf diesem Gebiet dokumentieren. Das Blog diente mir zunächst als leicht erreichbarer Notizzettel. Andere Schuladmins könnten dann mitlesen und ggfls. davon profitieren. Ich finde Austausch wichtig, weil es anderen (Admins) hilft und möchte der Community auch etwas zurückgeben, da ich so vieles von ihr erhalte: freie Software in Massen, Tipps und Tricks.

Wie kamst du zu Linux?

Auslöser war ein Hardwaredefekt meines Macbooks. Plötzlich war der Bildschirm defekt, natürlich nach der Garantiezeit. Ersatzteile gab es nicht (mehr) und Apple verweigerte eine Reparatur. Das war schon meine zweite Erfahrung dieser Art. Da platzte mir der Kragen und ich beschloss einen Systemwechsel. Microsoft als OS kam gar nicht in Frage – ich wollte keine nervigen Software-Probleme (Viren, Updates, Abstürze, Lizenzkrams) einfangen sowie erneut in die Abhängigkeit eines amerikanischen Monopolisten geraten.

Blieb nur irgendein (freies) Linux-OS zur Wahl. Erste Experimente mit Dualboot-Installation von Windows 7/Ubuntu auf meinem neuen Laptop (ein megastabiles Thinkpad X230) waren erfolgreich. Irgendwann habe ich endgültig auf Linux gesetzt und Windows 7 von der Platte geputzt.

Wofür verwendest du den Raspberry Pi?

›Den‹? Mittlerweile ist bei mir ein ganzes Rudel an Raspis untergekommen! Den ersten Raspi hat mir ein lieber Kollege geschenkt. Ich habe den zum experimentellen Webserver für den Unterricht aufgebaut. Meine Schüler im Informatikkurs fahren darauf dann WordPress-Installationen. Die anderen Raspis bewähren sich im schulischen Leben als Knechte für die Pausenhallenanzeige und an weiteren Infoscreens. Bald kommen noch mehr Raspis zum Einsatz für Experimente in einer Informatik-AG.

Wie kamst du zu Linux Mint?

Als ehemaliger Apple-Jünger ist man verwöhnt von schöner GUI. Linux Mint kommt dem schon ziemlich nahe. Es ist fantastisch, wie konsistent die Benutzeroberfläche in allen Lagen bleibt. Die Entwickler haben tolle Arbeit geleistet, Danke!!

Ausschlaggebend für die Wahl war das Ergebnis eines Usabilitytests, den ich an meiner Schule durchgeführte. Ich habe diverse Linux-OS (Ubuntu, Lubuntu, Xubuntu, Mint) installiert und Schüler an die Boxen gesetzt. Sie kamen mit Linux Mint am besten zurecht. Das System kam damit für den Schuleinsatz in Betracht. Ich habe es mir gleich auf meinen Rechner installiert, um Erfahrungen zu sammeln. Ich bin dabei geblieben.

Du möchtest Linux an Schulen bringen? Wie kamst du auf diese Idee?

Alle Rechner meiner Schule waren mit Win-XP ausgestattet. Am Tag X (EOL, End of Life) drohte ein kompletter Rechneraustausch wegen W7-Updates sowie eine nervige Lizenzverwaltung. Es läuft doch so: nach einigen Jahren mit vielen Updates werden Win-Boxen zu langsam. So müssen neue, schnellere Rechner gekauft werden, obwohl die Geräte noch funktionieren. Alles nur deswegen, um arbeitsfähig zu sein. Trotz Neukauf verbessert sich nichts wesentlich an der Arbeitssituation. Die Virengefahr bleibt bestehen, die nächsten Updates drohen.

Linux-OS als Alternative kam ins Spiel, als ich obige Experimente gestartet hatte: auf den PCs in der Schule (mit Intel 2 Core Duo CPUs) liefen moderne Linux-OS schneller (!) als mit Windows-XP. Begleitend hatte ich auf YouTube* einen Vortrag von Sebastian Seitz: »Ubuntu im Schulalltag« gesehen, der mich dazu bewegt hat, Linux an unserer Schule auszuprobieren. Im Informatik-Raum wurde zunächst mit 6 PCs und Linux Mint gestartet. Das klappte nach erster Lernphase super und wurde dann schnell ausgebaut.

 

So wurden alle glücklich! Die PCs bekamen ein schnelles OS mit viel Eye-Candy. Die Schüler konnten einiges neues entdecken (z.B. die Shell). Ich war aus den Abhängigkeiten von Microsoft entkommen und in ein innovatives, nachhaltiges Open-Source-Projekt eingestiegen. Am Ende wurde richtig Geld in der Schule gespart und stand anderen Projekten (z.B. einem weiteren Informatik-Raum 😉 ) zur Verfügung.

Deswegen ist für mich der Einsatz von Linux und überhaupt Open Source Software im schulischen Umfeld ideal. Wir müssen nach Snowden und vor dem Hintergrund der knappen (schulischen) Ressourcen verantwortlich und nachhaltig handeln. Schulen und öffentliche Verwaltung können und sollten vorangehen.

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Steven Seifried

Ich bin Steven, seit Juli 2014 veröffentliche ich auf canox.net die unterschiedlichsten Beiträge zu Linux & Android. Seit September 2015 verwende ich privat ausschließlich Linux (aktuell Ubuntu GNOME 16.04 LTS)

2 Antworten

  1. Arne sagt:

    Danke für das Interview 🙂

    Ich hätte gerne mehr über den Usabilitytest erfahren. Wie wurde er durchgeführt (Dauer, Aufgaben, Anzahl …). Klar, zu viel für ein Interview, aber wäre das nicht mal einen Artikel wert? 😉

  2. Corny sagt:

    Hallo Arne,
    die Tests verliefen ganz unkompliziert nach Wiki-Muster (Quelle unten) :
    Bei einem Usability-Test werden Versuchspersonen veranlasst, typische Aufgaben mit dem Testobjekt zu lösen, die sie später in ähnlicher Form mit diesem Produkt erledigen würden. Dabei wird geprüft, an welchen Stellen Schwierigkeiten bei der Benutzung auftreten.
    Die Versuchspersonen werden zum Lauten Denken aufgefordert, damit der Beobachter erfährt, wonach die Person gerade sucht und was sie sich unter den angebotenen Optionen vorstellt.
    Also habe ich die Schüler Ordner anlegen lassen, Dateien löschen, Programme starten usw.
    Das hat sehr deutlich Ergebnisse gezeigt. Es war statistisch bestimmt nicht repräsentativ, da meine Informatiker dran waren, aber aus verschiedenen Klassenstufen, um einen guten »Bevölkerungsschnitt« zu schaffen.
    CL

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